Die Krise des Skippers (15.03.2009)


Am folgenden Morgen bin ich, wie so häufig, als erster auf. Während ich Wasser für Tee und Kaffee aufsetze schaue ich sorgenvoll aus dem Fenster, was Roswitha sogleich auffällt -Ja, die Frauen - und sich nach meinem Wohlbefinden erkundigt. In der Tat geht es mir nicht sonderlich gut. Die Tatsache, dass ich morgens nicht weiß, ob und wenn ja, wo wir abends unterkommen können, zehrt an meinen Nerven. Nie zuvor hatte ich es auf der Ostsee erlebt aus einem Schutzhafen abgewiesen zu werden. Das aber ist hier Standard. Die Häfen sind zwar voll, aber in jedem Hafen ist zu beobachten, dass immer noch irgendwie Yachten untergebracht werden können, wenn es denn gewollt ist. Nicht so hier: Die Eignerplätze werden frei gehalten, egal ob sie gebraucht werden oder nicht. Im günstigsten Fall darf ab 20:00 Uhr noch einmal nachgefragt werden. Häufig aber hatte ich den Eindruck, dass dieses Vertrösten lediglich dem Zweck dient, den Anfragenden erst einmal los zu werden.

 

Der Skipper des Törns (Fotos: Roswitha Kranz)

Wie auch immer, als Roswitha mich anspricht spiele ich mit dem Gedanken aufzugeben, also den Törn nach der ersten Woche abzubrechen. Es steht der Crewwechsel an, der für Puerto de Andraitx geplant ist. Wie soll das ohne Liegeplatz und ohne Dingi funktionieren? Ich bekomme zwei absolute Segelneulinge an Bord – einer davon ein Kind. Wie sollen die in Ruhe eingewiesen werden? Ich bin ein wenig verzweifelt, da ich mich angesichts der bis hierher gemachten Erfahrungen davon verabschiedet habe in Andraitx einen Liegeplatz zu bekommen. Wieder keine Pause. Und Pause ist für mich, festgemacht in einem Hafen zu liegen. Liegen in einer Ankerbucht gehört nicht dazu, weil ich mich dabei ständig in einer „Hab-Acht-Stellung“ befinde. Ich teile der Crew meine Gedankenspiele während des Frühstückes mit. Sie reagiert erwartungsgemäß mit Unverständnis. Nur Detlef, der zweite Mann an Bord, weiß wovon ich spreche und stellt sich hinter meine Entscheidung, wie auch immer sie ausfallen wird. Die fällt noch nicht an diesem Morgen. Ich will vielmehr abwarten, wie es in Andraitx laufen wird.